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UnternehmerDialog in Winterberg: Energiekosten im Realitätscheck

Winterberg. Zwischen Preisdruck und Transformation bewegen sich heimische Unternehmen, wenn es um das Thema Energie geht. Beim UnternehmerDialog der Wirtschaftsförderung Winterberg am 23. Februar stand unter anderem die Frage im Mittelpunkt, wie Betriebe ihre Energiekosten optimieren können. Rund 50 Vertreterinnen und Vertreter städtischer Unternehmen folgten der Einladung ins neue Karosserie- und Lackzentrum des Autohauses Friedrich Hoffmann Die Wahl des Veranstaltungsorts wurde bewusst gewählt, da das Autohaus Friedrich Hoffmann bei dem Bau des neuen Zentrums im Gewerbegebiet Lamfert auf moderne Energiekonzepte gesetzt hat.

Realitätscheck statt Energiepanik

Bürgermeister Michael Beckmann dankte in seiner Begrüßung den Unternehmern ausdrücklich für ihr Engagement: „Jeder von Ihnen trägt mit seiner Gewerbesteuer, mit seinem Können und seinen Stärken dazu bei, dass Winterberg sich weiterentwickeln und investieren kann und schaffen Ausbildungs- und Arbeitsplätze.“ Gleichzeitig sprach Beckmann die Herausforderungen an, mit denen Betriebe konfrontiert seien – von Bürokratie bis zum Arbeits- und Fachkräftemangel.

Wirtschaftsförderer Winfried Borgmann zeigte sich beeindruckt von der regionalen Kompetenz: „Ich bin stolz darauf, wie heimische Firmen sich in Winterberg und in der Region mit ihrem ganz persönlichen Know-How einsetzen. Das Stichwort lautet: regionale und örtliche Wertschöpfung." Sein Dank galt besonders dem Autohaus Friedrich Hoffmann und Geschäftsführer Dominik Kuhlmann für die Bereitstellung der besonderen Räumlichkeiten.

Strompreise: Vergleich bringt Klarheit

Dr. Norbert Menke, Geschäftsführer der Stadtwerke Winterberg Energie und Honorarprofessor für Elektroenergiewirtschaft an der TU Chemnitz, lieferte in seinem Impulsvortrag einen fundierten Realitätscheck. Seine Botschaft: Der Wettbewerb im Strommarkt funktioniert – wenn man ihn nutzt. „Haushalte mit 3.500 kWh Jahresverbrauch zahlen in Winterberg aktuell 33,83 Cent pro Kilowattstunde. Das ist immerhin eine Steigerung von knapp 15 Prozent seit 2015 – aufs Jahr gerechnet 1,30 Prozent. Zum Vergleich: die Verbraucherpreise von Backwaren wie Brot und Brötchen sind im gleichen Zeitraum um 40 bis 60 Prozent teurer geworden", erläuterte Menke.

Zudem verwies er auf das ab 1. Juni 2026 geltende Energy Sharing gemäß Erneuerbare-Energien-Gesetz: „Privatpersonen und kleine sowie mittlere Unternehmen können künftig in Energy-Sharing-Gemeinschaften zusammenarbeiten und lokal erzeugten Strom nutzen. Die Stadtwerke Winterberg Energie werden die Entwicklung beobachten und gegebenenfalls mit den Unternehmen Pilotprojekte anstoßen." Auf die Frage, ob erneuerbare Energien auch ein Standortfaktor seien, antwortete Menke: „Absolut. Unternehmen, die heute in eigene Energieerzeugung investieren, machen sich unabhängiger von globalen Preisschwankungen. Und der Tourismus als treibende Wirtschaftskraft in Winterberg kann ebenfalls profitieren – wenn Betriebe ihre CO₂-Bilanz verbessern und regional erzeugten Strom nutzen."

Für größere Verbraucher falle der Realitätscheck noch günstiger aus: „Bei einem Jahresverbrauch von 75.000 kWh liegt der Preis in Winterberg aktuell bei 30,12 Cent – eine Steigerung von gerade einmal 1,76 Prozent seit 2015." Menke zeigte zudem auf, wie Unternehmen durch eigene Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und dynamische Stromtarife ihre Energiekosten deutlich unter das Niveau von 2015 senken können. „Investitionen in heimische Energietechnik und das ansässige Handwerk lohnen sich nicht nur für die Betriebe selbst, sondern stärken die gesamte regionale Wertschöpfung", betonte der Energieexperte.

Lackierzentrum als Leuchtturmprojekt

Ein eindrucksvolles Beispiel für die Umsetzung moderner Energiekonzepte präsentierte Dominik Kuhlmann, einer der drei Geschäftsführer des Autohauses Friedrich Hoffmann. Gemeinsam mit Kevin Dietz von der SKD-E GmbH und Peter Schnorbus von 3WERK Haustechnik GmbH & Co.KG stellte er das neue Karosserie- und Lackzentrum vor, das in 1,5 Jahren Bauzeit entstanden ist.
Die Zahlen beeindrucken: Das 53 Meter lange und 31 Meter breite Gebäude verfügt über eine eigene Trafostation mit einer Nennleistung von 2.000 Kilowatt. Auf dem Dach arbeiten 405 Photovoltaikmodule mit einer Leistung von 176,18 Kilowatt-Peak. Zwei Wärmepumpen à 2,5 Tonnen sowie zwei Pufferspeicher mit je 5.000 Litern sorgen für die Wärmeversorgung. Bei Volllast produziert eine Wärmepumpe auf dem Dach 120 Kilogramm Eis pro Stunde. Insgesamt wurden 850 Meter Rohrleitungen, je 5.000 Meter Strom- und Datenleitungen sowie 1.500 Betonteile verbaut.

Winterberger Fachkompetenz unter einem Dach

„Uns war wichtig, dass wir die Fachkompetenzen aus Winterberg bündeln – hier aus Winterberg, für Winterberg", erklärte Dominik Kuhlmann. Die Kooperation zwischen dem Autohaus als Investor, SKD-E als Elektrotechnik-Partner und 3WERK Haustechnik GmbH & Co.KG als Fachbetrieb für Heizung, Lüftung und Sanitär zeige, wie regionale Zusammenarbeit funktioniere. Peter Schnorbus beschrieb die Herausforderungen des Projekts: „Wenn man vor so einem großen Vorhaben steht, geht einem vieles durch den Kopf. Entscheidend ist eine sorgfältige Planung und die enge Abstimmung aller Gewerke."

Kevin Dietz sieht in dem Projekt großes Potenzial für künftige Bauvorhaben: „Mit der Erfahrung aus dieser Baustelle können wir Unternehmen noch besser beraten, wenn energetische Fragen eine große Rolle spielen. Die Technik ist vorhanden – es geht darum, sie intelligent einzusetzen."

Baumpatenschaften als Zeichen des Dankes

Zum Abschluss der Veranstaltung überreichten Wirtschaftsförderer Winfried Borgmann und Christine Schulte Baumpatenschaften an Dr. Norbert Menke, Dominik Kuhlmann, Kevin Dietz und Peter Schnorbus als Dank für ihr Engagement. Bei der anschließenden Betriebsführung konnten sich die Gäste ein eigenes Bild von der modernen Lackier- und Karosserietechnik machen – angetrieben von heimischer Energie und heimischem Know-How.