Winterberg. Die ersten Winter-Wochenenden haben es wieder gezeigt: Wenn Schnee liegt, das Wetter passt und die sozialen Medien voll sind mit Bildern verschneiter Pisten, wird Winterberg zum Gäste-Magneten. Tausende Tagesgäste strömen in die Region – und bringen die Infrastruktur an ihre Grenzen. Die Stadt Winterberg und die Winterberg Touristik und Wirtschaft GmbH (WTW) arbeiten seit Jahren und auch aktuell intensiv daran, die Situation zu verbessern. Mit einem integrierten Mobilitätskonzept, modernster Technik und einem ehrlichen Dialog wollen sie Verkehr besser lenken und gleichzeitig Verständnis für die komplexe Lage schaffen.
Die Sogwirkung des Schnees – ein bundesweites Phänomen
Seit der Corona-Pandemie kommen an Spitzentagen zusätzlich zu den Übernachtungsgästen Massen von Tagesausflüglern aus nahegelegenen Ballungsgebieten, die spontan das Erlebnis Schnee genießen wollen. „Das ist keine Winterberger Besonderheit. Wintersportorte von Oberwiesenthal über den Feldberg bis Oberstdorf erleben dasselbe", erklärt Tourismusförderin Michaela Grötecke „Wir reden hier tatsächlich nur von wenigen Tagen im Jahr. An den meisten Wintertagen läuft alles entspannt. Aber wenn Ferien, Spitzenwetter und Schnee nur in den Höhenlagen zusammenkommen, wird es eng", so Grötecke weiter.
Die Parkplätze – städtische wie die der privaten Betreiber – sind auf die maximalen Kapazitäten der Skigebiete abgestimmt: Lifte, Toiletten, Gastronomie. Für Wintersportler reicht der Platz, in der Peripherie gibt es meist noch freie Stellplätze. Die außergewöhnlich großen Menschenmassen an wenigen Tagen, die nur Schnee erleben wollen, können von der Infrastruktur und den immer wieder optimierten Konzepten nur schwer gänzlich aufgefangen werden. Hinzu kommt: Winterberg liegt mit der B 480 in Niedersfeld und B 236 in Züschen in einer viel zu stark genutzten Nord-Süd-Transitroute. Schwerlast- und PKW-Verkehr haben massiv zugenommen, wie Messungen von Straßen.NRW und eigene Messstellen belegen (www.b480.de). Die Verkehrsbelastung ist also nicht alleine touristisch bedingt.
Runder Tisch und umfangreiches Park- und Verkehrskonzept
WTW und Stadt haben bereits vor Jahren einen runden Tisch einberufen, an dem örtliche und überörtliche Behörden, Fachleute und Liftbetreiber nach Lösungen suchen. „Die Zusammenarbeit mit den privaten Ski- und Pistenbetreibern ist sehr eng. Sie sorgen neben den öffentlichen Parkflächen selbst für Parkraum und informieren intensiv über ihre Kanäle zur aktuellen Lage", betont Grötecke. Die Stadt hält zudem Kontakt zu anderen Wintersportorten zum Erfahrungsaustausch.
In den letzten Jahren wurde ein umfangreiches Park- und Verkehrskonzept mit Behörden erarbeitet, das stetig hinterfragt und optimiert wird. Winterberg nutzt ein kombiniertes System aus digitalen und analogen Informationen. Stadt, WTW und Liftbetreiber haben mobile Verkehrsdisplays beschafft, die an Wochenenden an den B 480 und B 236 die Verfügbarkeit von Parkraum anzeigen und Hinweise geben, welche Parkplätze angesteuert werden sollen. Die WTW empfiehlt zudem, bei der Anreise Nebenstrecken zu nutzen.
Informationen gibt es laufend auf winterberg.de, den Social-Media-Kanälen der Winterberg Touristik und der Skigebiete, über Radio Sauerland, WDR, Westfalenpost und unter verkehr.nrw. Die klare Empfehlung: Vor jeder Anreise informieren, ob es noch freie Kapazitäten gibt.
Skibus als nachhaltige Alternative – direkt von Dortmund auf die Piste
Seit Jahren verkehrt an Wintersport-Wochenenden der Skibus zwischen Bahnhof, Innenstadt und Skigebieten – im 15-Minuten-Takt innerhalb der Skigebiete, alle 30 Minuten zwischen verschiedenen Skigebieten. Zusammen mit den Linienbussen S40 und R28 besteht eine durchgehende Verbindung vom Bahnhof in die Skigebiete. Von Dortmund mit der Bahn geht es damit mit nur einem Umstieg direkt auf die Piste. Der Skibus verbindet Winterberg-Innenstadt mit den Skigebieten Winterberg, Neuastenberg, Altastenberg und Sahnehang. „Wer nachhaltig unterwegs sein will, fährt vom Hotel mit dem Skibus bis zur Piste – ohne Parkplatzsuche", wirbt Grötecke. „Wer dennoch mit dem PKW kommt, sollte unsere Nachrichten auf Facebook, Instagram und winterberg.de sowie die Verkehrsinfotafeln vor Ort beachten. Wer direkt Skigebiete außerhalb des Zentrums anfährt, bekommt in der Regel sofort einen Parkplatz."
17 Einsatzkräfte überwachen ruhenden Verkehr
Dauerhaft sind drei Politessen beschäftigt und zuletzt wurde der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) aufgestockt. Das Ordnungsamt wurde in den letzten Jahren personell insgesamt gestärkt. An Spitzentagen sind bis zu 17 Einsatzkräfte im Einsatz – darunter externe Sicherheitskräfte, städtische Mitarbeiter und der kommunale Ordnungsdienst gegen das Wildparken.
Während die Polizei für den fließenden Verkehr zuständig ist, überwachen Kommunen über ihre Ordnungsämter den ruhenden Verkehr auf Basis der bundesweit gültigen Straßenverkehrsordnung. Sollten Rettungswege blockiert sein – Feuerwehr, Notarzt und Rettungsdienst müssen im Einsatzfall freie Fahrt haben – lässt das Ordnungsamt zudem Fahrzeuge abschleppen. Die Kosten von mehreren hundert Euro trägt der Halter.
Integriertes Mobilitätskonzept in Arbeit
Aktuell erstellen WTW und Stadtverwaltung gemeinsam mit einem Planungsbüro (Planersozietät) ein integriertes Mobilitätskonzept. Gemeinsam mit dem Planungsbüro wurde eine Umfrage entwickelt, die an Einheimische sowie Gäste gerichtet ist und die eine wesentliche Grundlage für die Erstellung des integrierten Mobilitätskonzepts ist. „Die Umfrage startet jetzt, soll wertvolle Einblicke liefern und Grundlage für weitere Überlegungen sein. Eine breite Beteiligung aller Bürgerinnen und Bürger ist besonders wichtig, um ein ganzheitliches Bild zu erhalten.“ erklärt Michaela Grötecke. Über den folgenden Link ist die Umfrage zu erreichen: https://senf.app/projects/ccWcHBXpJdFdpc10aUnp/info
„Die zunehmende Verkehrsbelastung verlangt innovative, digitale und nachhaltige Lösungen. Unser Ziel ist intelligente Steuerung der Verkehrsströme, die Gäste und Einheimische entlastet", so Bürgermeister Beckmann und der Geschäftsführer der Winterberg Touristik und Wirtschaft, Winfried Borgmann. „Wir wollen Mobilität ganzheitlich denken: vernetzt, intelligent, nachhaltig. Unser Ziel ist, Belastungen zu reduzieren und Winterberg als Wohn- und Urlaubsort zukunftsfähig aufzustellen.“
Konzept berücksichtig alle Mobilitätsformen
Das Konzept berücksichtigt alle Mobilitätsformen – PKW, ÖPNV, Fuß- oder Radverkehr. Erreicht werden soll insbesondere eine Reduzierung von Staus und Parksuchverkehr, eine bessere Luftqualität und Lärmminderung, eine höhere Verkehrssicherheit, die nahtlose Integration von ÖPNV, SPNV und Sharing-Angeboten sowie die Förderung des Rad- und Fußverkehrs. Auch der Aufbau KI-basierter Verkehrs- und Besucherlenkungssysteme, eine Entlastung der Infrastruktur durch smarte Planung, Klimaschutz durch CO₂-Reduktion und Stärkung der Tourismus-Akzeptanz in der Bevölkerung steht oben auf der Agenda.
Die WTW bindet auch die heimische Wirtschaft in Arbeitskreisen und Initiativen ein. „Das neue Mobilitätskonzept wird nicht hinter verschlossenen Türen erarbeitet. Unser Anspruch ist es, die Interessen der Menschen aktiv einzubeziehen und ein Konzept zu entwickeln, das wirklich zu Winterberg passt", so die Verantwortlichen von WTW und Stadt unisono. „Dabei sein und mitmachen ist möglich und erwünscht."
Viele weitere Fragen zu den Thema Mobilität und Verkehrs-Infrastruktur finden Interessierte auf der Webseite www.winterberg.de/verkehrsfragen
